Zeitgeschehen

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Dr. der Herzen 2.3.2011

Als promoviertem und habilitiertem Akademiker, (Hochschul-)Lehrer, Wissenschaftler und als Staatsbüger stehen einem die Haare zu Berge.

Haben wir in der Bundesrepublik keine anderen Probleme, haben die Medien keine wichtigeren Themen als eine öffentliche Hetzjagd zu veranstalten? Zugegeben der Fall KTzG ist von öffentlichem Interesse und Belang, aber in dieser Form und epischen Überbreite?

Es ist offensichtlich zunächst der bisher nur aus Literatur und Kino bekannte, schlechte politische Stil, der Beklemmungen verursacht. Offenbar ist politischen Gegnern und politkfähigen Persönlichkeiten nicht mehr mit Argumenten und besserer Politik beizukommen, sondern nur durch ein akribisches Am-Zeuge-Flicken, durch einen Scan von Politikerbiographien, um auch nur einen Anschein von Fehlverhalten zu finden. Das ist beschämend für ein Land, das herausragende politische Persönlichkeiten hervorgebracht hat.

Es bestimmt die gegenwärtige Situation. Es geht schon lange nicht mehr um Inhalte, um Menschen, um deren Lebensbedingungen, sondern ausschließlich um das Mandat und die Mehrheit. Es geht nicht mehr um Antworten, sondern um die Selbstinszenierung der Politiker und um das rechte Licht, in denen ihre Parteien nahezu zwanghaft erscheinen müssen. Ach würden wir bloß auf Demokratie und Wahlen verzichten, dann könnte Politik tatstächlich wieder einmal stattfinden!! Wer eine Wahl nicht verlieren kann, hat nichts zu verlieren.

Und dann der Fall selbst. Jeder Schüler, jeder Student, jeder Prüfling egal wo, wird darüber belehrt, dass Täuschung Konsequenzen hat. In Zensur, Nichtbestehen oder Aberkennung eines Titels drückt sich so etwas aus. Da kann und darf es keine Ausnahmen geben. Jeder Student lernt von Beginn an, wie mit Gedankengut und Texten, mit Medien fremder Urheberschaft umzugehen ist. Das hat auch KTzG gelernt und gewusst. Was ist also geschehen?

Glaubt ein gestandener Jurist tatsächlich, mit scheibchenweisen Erklärungen sich aus der Verantwortung stehlen zu können? Können einem Juristen solche “Fehler” oder “handwerkliche Unzulänglichkeiten” wirklich abgenommen werden? Die Kommission der Uni Bayreuth geht glücklicherweise der Frage nach, ob eine bewußte Täuschung vorliege. Alles, aber auch alles in diesem Fall ist unklar.

Angesichts des im Internet dokumentierten Umfangs nicht kenntlich gemachter Zitate gibt es nur zwei, maximal drei zulässige Schlussfolgerungen:

1. KTzG war sich dessen bewußt und hoffte, dass es nicht auffiele. So naiv kann dieser Mann nicht sein.

2. KTzG sind die entsprechenden Fußnoten während der Drucklegung verlorengegangen. Hochgradig unwahrscheinlich.

3. KTzG hat die Arbeit gar nicht selbst geschrieben und auf Exaktheit des Ghostwriters vertraut und ist reingefallen.

Fazit:  Schlechter Stil und Naivität haben Einzug gehalten! Aber das wussten wir ja sowieso schon, oder?